Eine Fledermaus zum Frühstück
- kiliandisler
- 30. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 31. Juli
Der Morgen ist angenehm kühl, eine willkommene und wohltuende Abwechslung inmitten der Hitzewelle, die wir aktuell ertragen müssen. Mein Kollege Beat und ich besuchen das Südufer des Neuenburgersees. Dort befindet sich die Grande Cariçaie, die etwa ein Viertel der schweizerischen Flora und Fauna beherbergt.

Es ist erst 06:45 Uhr, noch sind wir alleine hier. Wir richten uns in einem Beobachtungshide ein, machen die Kameras einsatzbereit und sind gespannt, was sich zeigen wird. Unser Blick geht nach Norden, was sich fotografisch und lichttechnisch als sehr vorteilhaft erweist.

Es ist tatsächlich ein kleines Paradies: Etwa 30 Kolbenenten tauchen eifrig nach Nahrung am Seegrund, während Blässhühner lautstark ihre Reviere verteidigen. Eine Zwergtaucher-Familie kümmert sich um ihre Jungen. Ganz still und fast regungslos dagegen steht gut getarnt ein Purpurreiher am gegenüberliegenden Schilfgürtel. Bei genauerem Hinsehen bemerken wir, dass er am linken Bein verletzt ist. So ist die Natur. Ansonsten wirkt er fit und fliegen kann er auch noch. Alles in Ordnung.
Kolbenente, Männchen im Schlichtkleid Verletzter Purpurreiher
Wo es Wasser gibt, leben meist Fische. Und wo es kleine Fische gibt, ist auch der Eisvogel anzutreffen. Praktischerweise ist sein Ruf unverkennbar und so laut, dass man früh von seiner Anwesenheit erfährt. Er fliegt blitzschnell dicht über die Wasseroberfläche. Trotz seines leuchtenden Gefieders ist es nicht immer leicht, ihn im Flug zu entdecken. Kurz taucht er ins Wasser ein und sofort wieder auf: leider ohne Beute. Die letzten Wassertropfen sind aber noch gut auf seinem Kopf zu sehen.

Jetzt kreist ein Sperber über das Schutzgebiet, woraufhin Schwalben und Meisen Alarm schlagen. Das dichte Schilf bietet zahlreichen kleinen Vögeln Schutz vor solchen Räubern. Drossel- und Teichrohrsänger, Bart- und Blaumeisen sowie viele andere Lebewesen fühlen sich hier heimisch und haben teilweise erfolgreich gebrütet.
Bartmeise, Jungtier Teichrohrsänger Zwergdommel am jagen Blaumeise
Plötzlich gibts Action: Eine Zwergdommel fliegt knapp über das Wasser und wechselt schließlich von der schattigen Seite zur von der Morgensonne angeleuchteten Seite. Mit unseren Teleobjektiven 'stochern' wir buchstäblich im Schilf, um diese scheue Vogelart noch einmal zu sehen. Wie auf dem obersten Foto zu sehen ist, ist die Zwergdommel nämlich eine Meisterin der Tarnung. Außerdem ist es der kleinste Reiher, kleiner als eine Straßentaube.

Im dichten Schilf werden wir schließlich fündig und erleben ein ganz besonderes Frühstück: Die Zwergdommel hat eine Fledermaus erbeutet! Es dauert nicht lange, bis das letzte Stück der (sicherlich recht zähen) Flughaut in ihrem gierigen Schlund verschwindet.
Eine Fledermaus zum Frühstück Sie beweisst viel Geduld auf der Jagd... ...und plötzlich schiesst ihr dolchartiger Schnabel ins Wasser
Auch der aufregendste Morgen endet irgendwann. Erneut hat sich bestätigt, dass es sich lohnt, früh aufzustehen. Wenn man draußen in der Natur genau hinsieht, erlebt man immer wieder faszinierende Augenblicke.
Zwergdommel (M) im Grössenvergleich... ...und bei der Landung im Schilf




Kommentare