Die Aare und ihre gefiederten Bewohner
- kiliandisler
- 3. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Apr.
05:45 Uhr und der Wecker klingelt. Ich mache mich lange vor Sonnenaufgang auf den Weg. Für was denn eigentlich? Schon seit längerem beobachte ich an derselben Stelle eine Bekassine. Diese Vögel sind hervorragend getarnt und sehr scheu. Sie gehören zu den Schnepfenvögel und suchen mit ihrem auffallend langen Schnabel im weichen Schlick nach Nahrung. Mir ist klar, dass dies in unseren Breitengraden kein einfaches Unterfangen ist, eine solche zu fotografieren. Gerade deshalb faszinieren mich diese Vögel so besonders! Ich lege mich bodennah auf den feuchten Sand und bedecke mich mit einem Tarnnetz. Der Boden ist kalt; an einigen Stellen ist sogar noch der Rauhreif zu sehen. Eine faltbare Isomatte und entsprechende Kleider halten mich für die nächsten zweieinhalb Stunden wohlig warm.
Zwischen Kamera und dem vermuteten Standort, eine kleine Sandbank auf der sich die Bekassine gerne aufhält, liegen etwa sieben bis acht Meter. Für einen Vogel dieser Größe sollte diese Entfernung gefühlsmässig gut gewählt sein. Natürlich entscheide ich mich für eine bodennahe Perspektive: Diese ist zwar auf Dauer sehr unangenehm, da sie den Nacken und Rücken stark belastet, aber auf Augenhöhe zu fotografieren erschreckt die Vögel am wenigsten und wirkt einfach am schönsten. Das braune Schilf, das später von der Morgensonne beleuchtet sein wird, sowie die leichten Nebelschwaden über dem Wasser, sehen ebenfalls hübsch aus. Jetzt heißt es: warten und hoffen...
Um 7:15 Uhr drücke ich zum ersten mal auf den Auslöser. Ich musste also nicht einmal vierzig Minuten warten, bis sie sich zeigte. Die Freude ist riesig und das Herz schlägt in solchen Momenten wie wild! Meine 'Rechnung' ist also aufgegangen und der grösste Lohn dafür, frühmorgens aus dem warmen Bett zu hüpfen.
Das sanfte Licht der aufgehenden Morgensonne reflektiert mittlerweile das warme Braun des Schilfs auf der ruhigen Wasseroberfläche dieses Nebenarms der Aare. Das Blässhuhn oder die nach Futter suchende Bachstelze können so ganz hübsch in Szene gesetzt werden. Und noch immer wabert der mystisch anmutende Morgennebel übers Wasser.
Am Nachmittag besuche ich einen Auenwald. Da es dort keine Parkplätze gibt, entscheide ich mich, mit dem Roller anzureisen. Denn für diesen findet sich immer ein Plätzchen. Bei dem aktuell herrschenden Frühlingswetter macht das auch sogar noch Spaß! Und es hat sich gelohnt: Entlang eines schmalen Fußwegs sind die Vögel an Menschen gewöhnt und zeigen sich immer wieder auf demselben Wurzelstrunk und im umliegenden Buschwerk.
Heute war mal wieder so ein Tag, der voll ausgekostet werden konnte. Müde, aber zufrieden, mache ich mich kurz vor Sonnenuntergang auf den Nachhauseweg.




































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